Der Ursprung der Stadt Lucca, geschichtlicher Überblick
Was die Bodenbeschaffenheit betrifft, zeichnet sich die Landschaft der Provinz von Lucca durch ihre Wechselhaftigkeit aus: Dazu gehören der zwischen die Apuanischen Alpen und den Massaciuccoli-See gebettete Küstenstreifen der Versilia, das Gebiet der Garfagnana, die Ebene von Lucca sowie zahlreiche weitere Landstreifen, die in verschiedenen Zeiträumen und auf unterschiedliche Arten von der Provinz angeeignet wurden. Ein besonders entscheidender Moment in der Geschichte des Luccheser Territoriums war damals das Jahr 1186, als Kaiser Heinrich IV. der Stadt Lucca eine eigene Jurisdiktion zuteilte. Lucca konnte dadurch die Herrschaft im gesamten Umkreis der Stadt ausdehnen, dies vor allem an der Küste der Versilia und in der Garfagnana und erreichte den Höhepunkt ihrer Expansion während der Herrschaft von Castruccio Castracani, dem es gelang, den Florentinern das Gebiet der Valdinievole zu entreißen.
Die Herrschaft von Lucca über seine Territorien ging mit Höhen und Tiefen weiter bis ins Jahr 1400, als das Geschlecht der Malaspina Lucca definitiv die Städte Massa und Carrara (1445) entriss und einige Jahre später (1452) auch das Berggebiet der Garfagnana, während die Stadt Florenz damit fortfuhr, an den Ländereien auf der Seite der Versilia zu nagen, bis schließlich im Jahr 1513 Pietrasanta definitiv an Florenz fiel.
Altes Handwerk in Lucca und Umgebung
Lucca und die Umgebung, wie auch der Rest der Toskana, sind sehr an ihre Traditionen gebunden. Die innige Bindung zum Land ist sehr stark und so entstehen hier jene Produkte, die wegen ihrer besonderen Merkmale weltweit berühmt geworden sind.
Aus diesem Grund hat die Region der Toskana sich dazu entschieden, das alte landwirtschaftliche Handwerk zu schützen. Die Provinz Lucca ist sehr verbunden mit ihrem Land und den landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Die alten hanwerklichen Berufe, die in Lucca heute noch überleben, sind somit vorwiegend mit dem Landleben verbunden. Öl wird noch traditionsgemäß mit alten Mühlsteinen gepresst, Getreide wird ebenfalls in alten Mühlen gemahlen und aus den Kastanien wird kostbares Kastanienmehl gewonnen.
Lucca und ihre Architektur
Die romanische Architektur kommt im Vergleich zu anderen Städten der Toskana in der Provinz von Lucca ganz besonders zur Geltung. Eine reiche Dokumentation verweist auf die Anwesenheit zahlreicher Kirchen ab dem 8. und 9. Jahrhundert, von denen ein Großteil im romanischen Zeitalter neu umgestaltet wurden.
So nahm auch die lombardische Kultur starken Einfluss auf die romanische Architektur in Lucca, wie man vor allem an den vielen trutzigen Glockentürmen mit typisch lombardischem Einschlag erkennen kann, denen allerdings auf “Luccheser Art” und durch Baumaterialien wie Stein und Terracotta sowie zwei- und dreibogige Fenster ein typisch toskanischer Stil aufgedrückt wurde.
Zu den bemerkenswertesten religiösen Bauten zählen dabei die Pfarreien San Frediano di Lunata und San Paolo und die Kirchen in Capannori und Santa Margherita.
Lucca, Stadt der Händler
Die Familie Guinigi wird in den Archiven der Stadt Lucca bereits im 11. Jahrhundert erwähnt, da sie dank florierender Geschäfte und ihrer Tätigkeit als Bankier zu unermesslichem Wohlstand aufsteigen konnte.
Das Geschlecht der Guinigi ist gegen Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts eng mit der Stadt Lucca verknüpft, zuerst durch Francesco di Lazzaro, dann durch Paolo Guinigi, der dort von 1400 bis 1430 Stadtherr war. Seine Herrschaft ging mit einem florierenden Wachstum der Kunst und einer generellen Steigerung des Geschmacks und der Moden einher, die dem Ruhm der feinsten italienischen und ausländischen Höfe in nichts nachstanden.
Einige der bedeutendsten in Auftrag gegebenen Werke und Beispiele sind: Das Silberkreuz, genannt “der Pisaner”, das im Dom-Museum (Museo dell'Opera del Duomo) verwahrt wird, die Vorstadtvilla des Stadtherrn, in der sich heute das Nationalmuseum befindet und das wunderschöne Grabdenkmal der zweiten Gemahlin des Guinigi, Ilaria del Carretto, ein meisterhaftes Werk des Bildhauers Jacopo della Quercia, das im Dom von Lucca bewundert werden kann.
Aus dem 14. Jahrhundert stammen indessen die beiden Palazzi der Familie Guinigi, die an der gleichnamigen Straße stehen und von denen der eine von dem berühmten Turm überragt wird, dessen Dachgarten durch mehrere Steineichen gekrönt wird und den man sich unbedingt ansehen muss, wenn man Lucca besucht.
Typische Produkte aus Lucca: Olivenöl und Wein der Luccheser Hügel
Die Luccheser Landschaft bietet Produkte an, die wegen ihrer besonderen Merkmale in ganz Italien sehr begehrt sind.
Auf den Hügeln von Montecarlo, einem kleinen, mittelalterlichen Dorf in etwa 10 Kilometern Entfernung von Lucca, werden der Weißwein Montecarlo Doc (kontrollierte Herkunftsbezeichnung seit 1969) und ein hervorragender Rotwein Doc (kontrollierte Herkunftsbezeichnung 1985) angebaut. Von den Hügeln von Capannori und Porcari stammen die Rot- und Weißweine der Colline Lucchesi, die ebenfalls seit 1968 mit dem Doc-Prädikat (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) ausgezeichnet sind.
Ein weiteres landesweit und auch über die italienischen Grenzen hinaus berühmtes Produkt ist in der Hügellandschaft rings um Lucca produzierte Olivenöl der Colline Lucchesi. Dieses milde und angenehm schmeckende native Olivenöl wird aus absolut frisch gepflückten Oliven gewonnen.
Weitere interessante Erzeugnisse, die die Küche Luccas prägen, sind das ungesalzene Brot, außerdem das mit Kartoffeln zubereitete Brot sowie die Wurstwaren wie zum Beispiel der Biroldo (eine Art Presssack mit Blut und feinen Gewürzen), das gesalzene Fleisch (in Bütten geschichtetes und mit Salz und Gewürzen trocken eingelegtes Schweinefleisch), die Salami, aber auch Getreidesorten wie Zweikorn sowie Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Kichererbsen… Zu den berühmtesten Süßspeisen Luccas zählen vor allem der Buccellato, ein typischer Kranzkuchen aus Hefeteig und natürlich der aus Kastanienmehl zubereitete Castagnaccio.
Weitere Informationen: www.comune.lucca.it
Die Villen von Lucca
Die Villen von Lucca oder genauer gesagt, die als Villa gestalteten Palazzi, liegen auf dem Land verstreut in der Ebene von Lucca und auf den an die Ebene grenzenden Anhöhen. Sie bestimmen auch heute noch das Landschaftsbild mit ihrer Schönheit. Die Luccheser Villen wurden vom 15. bis zum 19. Jahrhundert von den wohlhabenden Geschäftsleuten der Stadt als Sommerresidenzen auf dem Land erbaut. Noch heute befindet sich ein Großteil dieser Anwesen im Privatbesitz, der von Generation in Generation weitergegeben wird.
Der gesamte Aufbau der Luccheser Villen ist anmutig wie ein Kunstwerk: Wunderschöne, großzügige Gärten, Arkaden, Fresken, Statuen, Parkanlagen mit zauberhaften Brunnen und Fischteichen bestimmen dabei das Bild. Den Besuchern bietet sich der Anblick einer harmonischen, der Umgebung angepassten Architektur, eine Idylle der Landwirtschaft und der traditionellen Tätigkeiten, die eine tiefe und beschauliche Atmosphäre zaubern.
Die Villa Grabau ist einer der bedeutendsten historischen Luccheser Wohnsitze aus der Renaissance und verwahrt noch heute die einstigen Möbel und alten Gemälde. Sie wurde von der reichen Handelsfamilie Diodati auf den alten Mauern einer mittelalterlichen Festung aufgebaut. Im Jahr 1868 wurde die Villa an Carolina Grabau, der Gattin eines reichen deutschen Bankiers, verkauft. Von besonderem Interesse ist der neun Hektar große Park, der die Villa umgibt und in dem man jahrhundertealte Bäume und zahlreiche botanische Raritäten bewundern kann. In dem kostbaren Gewächshaus aus dem 17. Jahrhundert stehen über hundert, mit Zitronenbäumen bepflanzte Terracotta-Becken, auf denen noch die Wappen der einstigen Hausherren zu erkennen sind. www.comune.lucca.it
Die Villa Bernardini ist ein bewundernswertes Beispiel der Architektur der Spätrenaissance. Diese von Bernardo Bernardini in Auftrag gegebene Villa wurde im Jahr 1615 beendet und blieb stets im Besitz der Familie. Besonderes Interesse hat dabei das Familienwappen des Geschlechts Bernardini in Wissenschaftlern und leidenschaftlichen Kunstliebhabern geweckt, da es immer wieder als Gemälde oder Gravüre auf den alten und aus verschiedenen Epochen stammenden Möbeln zu finden ist. www.villabernardini.it
DieVilla Oliva, einst Buonvisi genannt, stammt aus dem Jahr 1500 und wurde im Auftrag von Ludovico Buonvisi von dem Luccheser Architekten Matteo Civitali gebaut. Später ging die Villa in den Besitz der Familie Oliva über. Das herrschaftliche Gebäude besteht aus zwei prunkvollen übereinander liegenden Sälen und einer zauberhaften Loggia mit Säulen aus Matraia-Stein, die auf den majestätischen, 5 Hektar großen Park hinausblickt. www.villaoliva.it
Villa Mansi ist ein bewundernswertes Beispiel der Kultur der alten aristokratischen Republik vor Beginn des 16. Jahrhunderts. Die Mansi waren eine europaweit für den Seidenhandel berühmte Familie, die in engem Kontakt zu den Luccheser Patriziergeschlechtern stand und dank diesen Bekanntschaften im 17. Jahrhundert die Gelegenheit bekam, die Villa von Segromigno zu erwerben. Die Familie Mansi veranlasste bald darauf die komplette Renovierung der Fassade, mit der sie den Luccheser Architekten Giusti beauftragte, während der Garten komplett von Filippo Juvarra umgestaltet wurde. Die Besucher sind wegen der besonderen Bauweise und der Harmonie ihrer Gärten immer wieder von Villa Mansi hingerissen, in der einst Könige, Botschafter und berühmte Persönlichkeiten wie Puccini und der Dichter Borchardt verweilten. www.villamansi.com
Die Villa Torrigiani hingegen ist eines wichtigsten Beispiele für barocke Kunst in der Toskana. Die Villa und ihr Park stammen aus Anfang des 16. Jahrhunderts und befanden sich ursprünglich im Besitz der Familie Buonvisi, gingen dann aber in den Besitz des Marchese Santini über, der Botschafter der Republik von Lucca am Hofe des Louis XIV war und der, fasziniert von Versailles, zahlreiche Umbauten an der Villa veranlasste. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt der Park nach und nach das Gesicht eines romantischen Lustgartens, mit einer herrlichen Zypressenallee, die bis vor die Fassade der Villa führt, in deren prunkvollen Innenräumen noch sämtliche alten Möbel sowie die Fresken von Pietro Scorzini erhalten geblieben sind. Heute wird die Villa noch immer von den Nachfahren des Nicolao Santini bewohnt, die durch die Hochzeit 1816 zwischen Vittoria Santini und dem Marchese Pietro Guadagni Torrigiani in den Besitz der Villa gerieten. Die Villa in Camigliano ist noch immer Teil des Vermögens der alten Dynastie dank der Vermählung zwischen der Marchesa Simonetta Torrigiani und dem Prinzen von Stigliano Don Carlo Colonna im Jahr 1937. www.villelucchesi.net
Weitere Informationen: www.comune.lucca.it







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